Solide durch unruhige Zeiten

Trotz der positiven Entwicklung 2010 kommen auf die Pensionskassen grosse Herausforderungen zu. "Noch ist die demografische Entwicklung bei uns nicht angekommen", sagt Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung, Vaduz.

Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein
Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein

Trotz der positiven Entwicklung 2010 kommen auf die Pensionskassen grosse Herausforderungen zu. "Noch ist die demografische Entwicklung bei uns nicht angekommen", sagt Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB Vorsorgestiftung, Vaduz.

Herr Matt, die Zukunft wird oft in dunkelsten Farben geschildert: volle Pflegeheime, leere Kinderwagen. Stoppt dies die Frühpensionierungen?

Bruno Matt: Der Wunsch nach Frühpensionierung ist unverändert stark. Und wer früher in Rente geht, zieht die Auszahlung des Kapitals einer Rente vor. Vor den heutigen Rentnern liegt oft noch eine aktive dritte Lebensphase. Tatsächlich steigt die Lebenserwartung stärker, als wir bisher dachten: Männer mit 65 leben im Schnitt noch 18.9 Jahre – ein Jahr länger als noch vor fünf Jahren. Frauen mit 65 leben im Schnitt noch 21.4 Jahre – ein halbes Jahr länger als noch vor fünf Jahren. Diese Zahlen basieren auf den neuesten technischen Grundlagen BVG2010.

Wie sah das 2010 bei der LLB Vorsorgestiftung aus?

Die Zahl der bei uns versicherten Arbeitnehmer steigt nach wie vor stark. Die logische Folge ist, dass damit auch die Zahl der Pensionierungen steigt. Doch liegt das Durchschnittsalter der Versicherten unverändert bei rund 40 Jahren. So gesehen ist die demografische Entwicklung noch nicht angekommen. Aber auch bei uns wird sie sich langsam aber sicher zeigen.

Wie lange man lebt und wie viele Babys geboren werden, kann die Politik nicht entscheiden. Kann sich der Wirtschaftsstandort den Luxus noch leisten, Fachleute so früh in Rente zu schicken?

Zum Glück muss ich da nicht mitentscheiden. Die Arbeitgeber spielen eine kleinere Rolle, wenn es darum geht, Fachleute in Rente zu schicken und dafür meist weniger erfahrene, junge Arbeitskräfte zu rekrutieren. Unser komfortables System der Frühpensionierung ist viel entscheidender. Nach wie vor wird es den Arbeitnehmern leicht gemacht, sich für eine Frühpensionierung zu entscheiden. Die Einbussen bei der Rente sind bescheiden. Noch wird es ein paar Jahre dauern, bis sich die Sozialversicherungen das System nicht mehr leisten können. Und damit auch die Arbeitnehmenden nicht mehr.

Wie viele zahlende Mitglieder stehen wie vielen Rentnern bei Ihnen gegenüber?

Zurzeit haben wir 3'300 aktive Versicherte. Weil sich die Mehrheit der Pensionisten für den Kapitalbezug entscheiden, "verwalten" wir lediglich 32 tatsächliche Rentner.

Ihr Umwandlungssatz von 7 Prozent ist hoch. Wie stellen Sie sicher, dass dies nicht auf Kosten der jetzt aktiven Generation geht?

Der Umwandlungssatz gilt für das angesparte und zurückgestellte Altersguthaben des Versicherten. Die wirklich kritische Frage ist, ob dieses Kapital bis ans Lebensende des Rentners reicht. Um vorzubeugen bilden wir zusätzlich technische Rückstellungen für die Langlebigkeit. Aber natürlich – die Stiftungsräte von Vorsorgekassen werden sich auch mit dem Rentenumwandlungssatz beschäftigen müssen.

Wie häufig beziehen Versicherte das Kapital der 2. Säule für Wohneigentum vor?

Das geht in Liechtenstein nicht. Hier gibt es immer wieder Missverständnisse, weil das in der Schweiz möglich ist. Das liechtensteinische Gesetz verbietet es Liechtensteiner Pensionskassen, für selbstgenutztes Wohneigentum einen Vorbezug oder eine Verpfändung zu gewähren.

Sie bieten individuelle Vorsorgepläne an. Nennen Sie zwei Beispiele?

Das gesetzliche Minimum ist bei allen Pensionskassen gleich. Wir sind darüber hinaus auf Mehr-Leistungen spezialisiert. Zum Beispiel können die Risikoleistungen bei Invalidität oder Tod höher sein. Ein anderes Beispiel ist die Versicherung des vollen Lohnes, ohne Koordinationsabzug, was für Teilzeitbeschäftigte interessant ist. Meistens wird eine Kombination von beidem umgesetzt. Oft definieren Betriebe auch mehrere Personengruppen, für die es dann unterschiedliche Leistungspläne gibt.

Wohin tendieren Unternehmen: zu gesetzlichen oder übergesetzlichen Leistungsvarianten?

Hier kann ich nur die bei uns angeschlossenen Betriebe beurteilen. Weil die höhere Leistungsansprüche haben, liegt die Verteilung bei rund 80 Prozent überobligatorischen und etwa 20 Prozent obligatorischen Leistungsplänen.

Und welche Risiken werden versichert?

Jede Pensionskasse sichert die drei Risiken Alter, Tod und Invalidität ab und ergänzt so die staatliche AHV und IV. Das Gesetz verlangt für jeden Versicherten einen Leistungskatalog für diese Risiken. Was darüber hinaus geht, kann jede Firma selbst gestalten.

Warum ist die Vorsorgestiftung 2010 in leichte Unterdeckung geraten?

In Zahlen heisst das: Unser Deckungsgrad ging von 98.3 auf 97.3 Prozent zurück. Der Grund dafür ist eine einmalige technische Rückstellung für die Langlebigkeit. Aktuell liegen wir wieder bei 100 Prozent. Grundsätzlich ist zudem zu sagen: Der konsolidierte Deckungsgrad wirkt sich auf die angeschlossenen Unternehmen nicht aus, denn wir führen für jede Firma einen individuellen Deckungsgrad.

Trotzdem sind Sie gewachsen...

...Und zwar mit 55 Millionen Franken Neugeld. Zum einen kamen 20 Millionen an Sparbeträgen hinzu, zum anderen gingen Freizügigkeitsleistungen anderer Kassen ein. Der Trend des Neugeldes setzt sich auch 2011 fort.

Wie hat sich die Entwicklung an den Finanzmärkten ausgewirkt?

Das Jahr 2010 hatte zwei Seiten. Unsere Jahresperformance fiel niedriger aus als geplant. Trotzdem hat der Stiftungsrat entschieden, die Alterskapitalien mit 2 und 2.5 Prozent zu verzinsen. So hat die Entwicklung an den Finanzmärkten zwar unsere Erträge geschmälert, mit den Zinsen für die Versicherten aber blieben wir auf Kurs.

Wie sieht Ihre Anlagestrategie aus?

Wir bieten unverändert zwei Anlagestrategien an und die Unternehmen können jedes Jahr neu wählen, wo sie ihr Kapital investieren wollen: In die Strategie «Konservativ» mit einer Aktienquote von rund 15 Prozent. Oder sie können sich für die Strategie "Dynamisch" entscheiden, hier liegt die Aktienquote bei etwa 25 Prozent.

Wie behalten Sie die Verwaltungskosten im Griff?

Für jeden Versicherten und jede Versicherte erheben wir pauschal 240 Franken. Und zwar unabhängig von Lohn, für Lohn- wie für Teilzeit. Mittlerweile deckt das die Kosten der Stiftung.

Wo sehen Sie Wachstumspotenzial für die LLB Vorsorgestiftung?

Unser Heimmarkt Liechtenstein ist begrenzt – natürlich. Trotzdem sehe ich hier noch Potenzial, dass sich weitere namhafte Unternehmen uns anschliessen. Zudem können wir auch über die Landesgrenzen hinaus wachsen. Mit der Pensionskasse ALVOSO LLB sind wir in Lachen, im Kanton Schwyz, vertreten. Wir können also Vorsorgelösungen auch für Unternehmen in der Schweiz aus einer Hand anbieten.

(Liechtensteiner Volksblatt, das Interview führte Kornelia Pfeiffer)